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Buchempfehlung Teil I: GLOCALIS – Die Welt fair ändern 

Donnerstag, April 11, 2013, 10:26 PM – Buchempfehlung

Nun liegt es vor mir, schon seit einigen Tagen. Auf 550 Seiten bringt der Autor eine Vision zu Papier. Ohne Zweifel ein Sachbuch. Eine weitere Unterteilung in eine Untergruppe will mir nicht gelingen. In die Ecke von Ratgeberliteratur passt es nicht rein.

Schon der Begriff „Glocalis“ im Titel hat mich neugierig gemacht. Da stecken die Begriffe „Global“ und „Lokal“ drin. Ein Kunstwort also. Doch was meint der Autor damit? 

Glocalis ist die Bezeichnung für ein künftiges globales Gesamtstaatssystem, bestehend aus der communalen, regionalen, nationalen, continentalen und globalen Ebene, so beschreibt der Autor diesen Begriff. Der Autor verwendet weitere ungewohnte Begriffe, die im Text beschrieben werden, diese können jederzeit im Glossar nachgeschlagen werden. Ich habe mich schnell daran gewöhnt.

Damit ist klar, hier geht es um mehr als nur um das Drehen an einigen Stellschrauben um anstehende Probleme zu lösen. Nur von einem Weltstaat können Probleme wie Krieg, Hunger, Armut, Ausbeutung von Mensch und Natur etc. gelöst werden.

Das Gesamtstaatssystem besteht aus fünf Ebenen. Local, Regional, National, Continental und Global. Auf jeder Ebene werden politische Entscheidungen gefällt. Folgende Abbildung macht deutlich, wie die jeweilige Ebene ihre Legitimation von oben und von unten herleitet.

Der Humanita (Menschheit) gehören Grund und Boden und die darin befindlichen Bodenschätze, ebenso die Meere. Da die Nutzung der Bodenschätze der globalen Kontrolle unterliegen, sind militärische Konflikte um diese ebenso ausgeschlossen wie eine völlige Ausbeutung. 

In den letzten 30 Jahren ist der Mensch immer weniger Mittelpunkt des politischen und wirtschaftlichen Handelns. Glocalis stellt den Menschen wieder in den Mittelpunkt. Politik und Wirtschaft dienen den Menschen. Ausführlich werden die Mechanismen beschrieben, die dies sicherstellen. 

Der Autor entwirft bis ins Detail ein neues Bild von Staat und Gesellschaft und deren Interaktion. Den Kapitalismus in der heutigen Form gibt es nicht mehr. Wer nun meint, dann könne es sich ja nur um Kommunismus handeln irrt. Bei Glocalis wird es auch Reichere und Ärmere geben, nur eben keine Superreichen und Superarme mehr. Auch Geld kann man nicht mehr für sich „arbeiten“ lassen, eine Verzinsung von Kapital gibt es nicht. Das man mit Geld Geld verdienen kann, ist mit eine Ursache für die heutigen Krisen.

So ausführlich wie nötig werden Staatstheorie, Staatsgeschichte und Verfassung behandelt. Im Kapitel Prinzipien und Inhalte einer Weltverfassung merkt man die Handschrift eines Juristen, ohne jedoch trocken oder schwer lesbar zu sein. 

Glocalis stellt nicht alle Errungenschaften unseres Gesellschaftssystems in Frage, sondern setzt da auf, wo die heutigen Strukturen zu Konflikten und Problemen führen. Zahlreiche Abbildungen sorgen dafür, das man trotz der Stofffülle den Überblick behält. 

Mich erstaunt immer wieder die Ausarbeitung des Autors selbst kleinster Details. Als Beispiel sei hier der Eid des Staatsdieners in der Pecuniative genannt (Pecuniative ist die selbständige staatliche Gewalt im Staatswesen, die sich auf allen Ebenen mit der Kontrolle der Geldwirtschaft befasst).

Ich gelobe als Hüter der Finanzverwaltung, für die Menschen der Regia die Finanzmittel, die der Staat zur Verfügung hat, nach bestem Wissen und Gewissen dem Staat, der Wirtschaft und den Bürgern zur Verfügung zu stellen. Ich werde im Sinne des Allgemeinwohls die staatlichen Einnahmen und Ausgaben überwachen und dabei die rechtlichen Vorgaben beachten. Ich verpflichte mich, im Rahmen meiner Aufgaben keine eigennützigen Zwecke zu verfolgen, alle Bürger gleich zu behandeln, die Neutralität gegenüber jedermann, insbesondere allen Vertretern partieller gesellschaftlicher Interessen gegenüber zu wahren und die Unabhängigkeit der anderen Staatsgewalten zu achten. 

Zum Wohle der Menschen, zum Wohle der Regia, zum Wohle der Menschheit!

(S. 502/503)

Das Buch entfaltet seine stärkste Wirkung, wenn man alle Vorstellungen die man drüber hat, wie Menschen heute in einer Gesellschaft zusammenleben, beiseite schiebt. 

Kann diese Vision Wirklichkeit werden?

Altkanzler Helmut Schmidt soll einmal gesagt haben, wer Visionen hat, solle zum Arzt gehen. Genau überliefert ist das nicht. Er soll es in einem Interview in den Sechzigern auf die Frage, welche Visionen er habe gesagt haben.

Doch ohne Vision konnte Helmut Schmidt nicht zahlreiche Menschenleben bei der Sturmflut 1962 in Hamburg retten. Ich bin ziemlich sicher, dass Helmut Schmidt heute eine andere Einstellung zu Visionen hat, falls diese Version überhaupt stimmt.

Allen Errungenschaften, Erfindungen und Entdeckungen allein in den letzten 200 Jahren sind aus Visionen bzw. Ideen entstanden.

Dieses Buch ist ein Betriebssystem auf Papier. Ein Betriebssystem für eine faire Gesellschaft auf lokaler, regionaler, nationaler und globaler Ebene. Ein Betriebssystem, welches Konkrete Handlungsempfehlungen enthält, um das Zusammenleben der Menschen auf eine neue Stufe zu bringen.

Die verheerenden zwei Weltkriege im letzten Jahrhundert und zahlreiche militärische Auseinandersetzungen bis heute, sowie immer wiederkehrende Wirtschaftskrisen die Menschen Not und Leid bringen, der noch immer existierende Hunger in der Welt (alle 4 Sekunden verhungert ein Kind, Jean Ziegler nennt es Mord), zeigen, das unser aktuelles Betriebssystem erhebliche Mängel hat und wir dringend ein neues benötigen.

Ein offenes Betriebssystem, ähnlich Linux, an dem Tausende Programmierer in aller Welt arbeiten. Bestehende Funktionen verbessern, neue Funktionen hinzufügen.

Und so will auch der Autor den Inhalt des Buches verstanden wissen. Ein sehr weit gereifter Kern eines Betriebssystems, die die Mitarbeit von Vielen benötigt. Um das Mitwirken zu vereinfachen, gibt es für dieses Buch eine eigene Webseite des Autors. Nur wer mitmacht, kann etwas verändern. Als Beispiel möchte ich die ehemals starken Gewerkschaften nennen, ohne die es keine 40-Stunden-Woche, Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall etc. gegeben hätte. 

Diese Vision kann Wirklichkeit werden. Es liegt an uns. Sie kann nur durch Unterlassen verhindert werden. 

Wer auf Teil II der Rezension nicht warten möchte.

Das Buch ist im EWK-Verlag erschienen.

Auf der Webseite des Verlages gibt es auch ein interessantes Making-Of, hier klicken:

Hier klicken zum bestellen:

Autor: Karl Waldecker
Taschenbuch: 550 Seiten
Verlag: EWK Verlag; Auflage: 1., Erstausgabe (März 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3938175753
ISBN-13: 978-3938175750

Und hier die Webseite des Autors:

http://glocalis.de/ 

Lesen Sie mal rein, machen Sie mit, nur so ist Veränderung möglich!

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Karl Waldecker GLOCALIS Die Welt fair ändern

Welcher Kategorie ist dieses Buch eigentlich zuzuordnen ? Dies ist die erste Frage, die sich ein Leser stellen wird. Ist es ein nüchternes Sachbuch in dem der Autor, ausgehend von aktuellen historischen, ethischen, administrativen, soziologischen und oekonomischen Fakten, wünschenswerte und anzustrebende Weiterentwicklungen darstellt ? Oder ist es eine Vision, eine Utopie ? Eine Utopie, wie sie Thomas Morus in seinem bekanntesten Werk über die „insula Utopia“ beschreibt ? Diese „insula“ ist ein idealisierter Staat in dem die Interessen des Einzelnen den Interessen der Gemeinschaft untergeordnet sind, jeder hat Arbeit, jedermann bekommt Bildung und genießt religiöse Toleranz. Es ist anzunehmen dass der Autor von „Glocalis“ die „insula Utopia“ gelesen hat. Aber er strebt nicht nur einen idealisierten Staat sondern eine idealisierte Weltgemeinschaft, eben „Glocalis“, an. Insofern zeigt auch dieses Buch Züge einer Utopie. Aber der Autor ist viel zu sehr zeitgenössischer Realist um es bei einer Utopie bewenden zu lassen. „Glocalis“ ist auch ein Sachbuch, denn die Wege die der Autor zu einer friedlichen, mit Gerechtigkeit und Wohlstand gesegneten „globalisierten“ Welt zeigt, sind Wege, die auf dieser Erde verlaufen und die die Menschheit durchaus beschreiten könnte. Der Versuch, den Inhalt des Werkes eingehender zu beschreiben, würde den Rahmen diese kurzen Besprechung überschreiten. Immerhin umfasst das Buch 550 Seiten und ist verständlicherweise auch nicht zu lesen wie ein Kriminalroman. Aber der Autor hat es dennoch verstanden, den umfangreichen und komplexen Stoff so zu strukturieren und zu formulieren, dass die Lektüre ein geistig ansprechendes Vergnügen ist. So erfüllt das Buch seine eigentliche Zielsetzung: Denkanstöße zu geben, Anregungen zu vermitteln für Verhaltensänderungen, an deren Ende eine bessere Welt stehen sollte. Deshalb ist „Glocalis“ keine Utopie sondern ein realistischer Wegweiser zu einer besseren Welt. Und zudem ein anregendes Lesevergnügen.

ISBN 978-3-938175-75-0
EWK-Verlag, Elsendorf
Unbenanntes Dokument
Willkommen | Glocalis

 

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