Die Idee

Wie kommt man auf eine so verwegene Idee?

Wann war es und

warum an die Öffentlichkeit?

Nun zu Letzterem habe ich Auszüge aus meinem Buchkapitel: Motive (link) ins Netz gestellt.

Zum „Wann“ und „Wie“

Die Idee hat eine Geschichte, die weit in die frühe Jugend (Ende 60er) zurückgeht. Damals hatte mich die europäische Idee deshalb fasziniert, weil ich darin etwas sah, was den nationenübergreifenden Frieden „organisieren“ könnte. Die beiden Weltkriege waren für mich Ausdruck eines blinden Nationalismus, eines Kirchtumsdenkens, das im Wesentlichen das nationale Ego sah und nicht das Gemeinsame, Übergreifende, Verbindende.

Europa sah ich zunächst als eine Chance, wobei ich allerdings schon bald merkte, dass es mehr um Wirtschaft ging. Und selbst wenn seinerzeit (und heute noch) militärisch gesehen die NATO größere Bedeutung hatte als die EU, so hätte ich aus der Vereinigung Europas – dann auch als vereinigte Militärmacht – global gesehen nicht die Beseitigung des Übels der Kriegsgefahr erhofft; die vereinigte europäische Großmacht wäre nämlich nur ein weiterer Player im Spiel von Mächten. Damit wären weder die Kriegsursachen vermieden noch wirklich effektive präventive Strukturen geschaffen.

Das war mir bereits Anfang der 70er klar und in einem „visionären Moment“ der Vor-Abi-Zeit malte ich den: „Friends of Mankind“-Schriftzug auf meine Schulmappe: Nur die organisierte Menschheit kann es richten, nur wenn wir uns in erster Linie als Menschheit begreifen, das Ganze sehen, dann könnten wir vielleicht zu einer Lösung kommen.

In der Studienzeit zum Ende der 70er war ich dann – ganz zeitgemäß – mehr der „Selbstfindung“ und Selbstverwirklichung zugewandt. Politik erschien mir als etwas Anmaßendes, ebenso anmaßend wie die Heilsbringer aus den Religionen, die meinten ihre Erklärungen zum: „Sein und Sollen“ – mit allen Suren und Bibelstellen – missionarisch über den Erdball legen zu müssen.

Mit dem „Sein und Sollen“ habe ich mich auch rechtsphilosophisch beschäftigt, und just bei der Vorbereitung zum Staatsexamen kam mir der entscheidende Grundgedanke: Die Einheit in der Vielfalt ist es! Wir müssen es nur schaffen, die vielen Ideen von Recht, Gerechtigkeit und Staat weltweit in ein Gefäß, in eine Gesamtstruktur zu bringen und so entstand das Bild der Vase mit den unterschiedlichen Blumen. Eben kein Streit darum, ob es nur Tulpen oder nur Rosen sein sollen – weg von dem ideologischen Absolutismus.

Einschneidend war dann die Lektüre des GLOBAL 2000 und die Drohung des atomaren Weltkrieges zu Beginn der 80er, die mir endgültig deutlich machten, dass der „Rückzug ins Private“ für den Rest der Menschheit und auch für mich selbst keine Lösung ist. Denn wenn der Rüstungswahnsinn und die ökologische Blindheit/Ignoranz sich so fortsetzen würden, dann wäre ein atomarer und/oder ökologischer Winter nicht unwahrscheinlich gewesen und der hätte kein privates Idyll der Selbstverwirklicher verschont…

Eigentlich fühlte ich Handlungsdruck, doch kaum war der kalte Krieg beendet und „die Grünen“ im Bundestag, war mir die Familiengründung und das Berufsleben offenbar so wichtig, dass sich die Arbeit an der „Fairänderung der Welt“ doch sehr in Grenzen hielt. Erst mein Job beim Innenministerium (internationaler Katastrophenschutz) ab 2000 gab mir neue Impulse, um die „Wahnsinnsidee“ mit Substanz zu füllen. So begann ich diverse kleine Gedankenskizzen, Notizen und Pamphlete zusammenzutragen. Auf den langen Zugfahrten nach und von Brüssel fügte ich sie mit weiteren neue Aspekten und Ausarbeitungen zusammen.

Schließlich brachte mich Leo Hickman mit seinem Buch: „Fast nackt“ auf die entscheidende Idee, wie man sich dazu motivieren kann, wirklich die ernsthafte Beendigung eines solch monumentalen Werkes, das so viel Themen berührt, erreichen zu können (Ende 2006).

Hickman hat es geschafft, indem er sich von Kapitel zu Kapitel hangelte. Wenn er eines beendet hatte, stellte er es in einen Blog und nutzte die sich aus den Beiträgen (teilweise wiedergegeben)  ergebenden Impulse für das Weiter-Schreiben. Mir wurde klar, dass es hilfreich wäre, sich Unterstützung und Zuspruch zu organisieren. Bei mir waren es die FreundInnen, die sich bereit erklärt haben, jeweils über die Kapitel zu schauen, wenn es dann so weit war…

Und allein die Aussicht auf die Kommentare hat mich von Kapitel zu Kapitel und schließlich zum Ende gebracht. Es hat also funktioniert. Aber mit der Beendigung des 32. und letzten Kapitels (Ende 2009) war das Kapitel: Buch noch nicht zu Ende. Es gab insbesondere einen Teil des Werks, der (nicht nur) mir Sorge bereitete und den ich zunächst als Torso zurückgelassen hatte, den comunalen Teil.

Die örtliche Gemeinschaft halte ich für eminent wichtig, aber wie sieht sie aus und wie lässt sich eine anzustrebende örtliche Gemeinschaft attraktiv darstellen? Wie kann man dies vor allem  nomadisierenden Akademikern vermitteln? Muss man das Bild eines Stadtteils oder/und eines Dorfes charakterisieren oder kann man darauf verzichten?

Trotz dieser offenen Fragen haben mich schließlich die FreundInnen ermutigt, das Buchprojekt zu Ende zu bringen. Ein Freund hat mir dann sogar den Verleger vermittelt und so war letztlich mit dessen Entscheidung der letzte Schub gegeben, auch das „comunale Problem“ zu lösen. Dass dies wirklich nicht einfach war (ist und sein wird), geht aus dem Bericht des Verlegers hervor, den er zur Entstehung des Buches verfasst hat:

Glocalis – Entstehungsgeschichte

Mit dem Buch hat die Idee eine Gestalt erhalten, aber das Wesen der Idee ist, dass die „Fairänderung“ nur ein Gemeinschaftswerk sein kann, das – wie schon das Buch – auf Mitmacher angewiesen ist. GLOCALIS stellt eine Struktur und einen Weg zur Diskussion. Wer Gefallen an dieser Struktur findet und bereit ist, über den Weg zu diskutieren, ist mir als GLOCALIER herzlich willkommen.

Es würde mich freuen, wenn auf dieser Seite ein Gefühl dafür entsteht, dass wir eine Menschheit sind und dass wir unsere Zukunft mit Mut und Freude in die Hand nehmen können und wollen.