Das Buch

GLOCALIS
Die Welt fair ändern

Wer träumt nicht von einer besseren Welt? Wer wollte nicht, dass die Menschen auf dieser Erde faire Bedingungen vorfinden, dass sie sich selbst faire Regeln geben? Aber vorher ist zu klären:

Was ist das überhaupt, eine bessere Welt? Wann ist die Welt gut, wann der Mensch? Ja und überhaupt: Wie ist der Mensch, ist er gut oder böse oder keins von beiden? Kann ich ihn ändern? Muss ich ihn ändern?

Und wir wollen eine faire Welt, in der es gerecht zugeht oder wenigstens gerechter. Aber wie soll das gehen? Gibt es wahre Gerechtigkeit etwa nur im Jenseits? Oder sollten wir uns nicht bemühen, das Bessere, das Gerechte schon im Diesseits zu suchen?

Nun bin ich nicht der erste, der das versucht … und nicht der letzte. Weltverbesserer werden solche Menschen gerne – nicht selten mit unverhohlenem Sarkasmus – genannt, die auch nur einen Gedanken darauf verschwenden, die Menschen oder die Welt verbessern zu wollen. Was heißt das eigentlich: Welt verbessern, und warum will man das überhaupt? Warum will ich das?

Viele Fragen. Wer nicht fragt bleibt dumm, heißt es in einer lehrreichen Kindersendung. Nicht dass alle Fragen befriedigend beantwortet werden könnten, auch ich stelle nicht den verwegenen Anspruch, all diese Fragen erschöpfend beantworten zu können. Nur, ich habe mich diesen Fragen – und nicht nur diesen – gestellt. Ich habe versucht, die aus meiner Sicht Wesentlichen zu beantworten. Ich habe das starke Gefühl, dass der Kampf der Menschheit mit sich selbst, mit der Umwelt, um die beschränkten Ressourcen, welche die Endlichkeit dieses Planeten noch zur Verfügung stellt, in zivilisierte, sozial kontrollierte Bahnen gelenkt werden muss.

Wir brauchen dringend Antworten auf die Fragen des Schutzes der ökologischen Lebensgrundlagen, der Schonung und der gerechten, gewaltlosen Verteilung der Ressourcen. Wir können weitertreiben, wie ein Boot, das keinen Kurs hat oder schlimmer noch einen, bei dem einige schon den Eisberg sehen… oder wir können steuern. Das heißt, wir müssen begreifen, dass wir im selben Boot sind, dass wir Entscheidungen darüber brauchen, welchen Kurs das Boot nehmen soll. Aber wir haben weder Kapitän noch Steuermann, keine organisierte Verantwortung, die rechtzeitig über den Kurs entscheiden könnte.

Stattdessen: Die meisten streiten, ignorieren oder haben schlicht keine Ahnung. Und viele haben so viel Not, dass sie die Problematik des Globus, die Situation der Menschheit gar nicht erkennen können. Sie freuen sich, wenn sie zu essen und zu trinken haben, eine Weile gesund sind, überleben können, nicht überfallen, vergewaltigt, missbraucht, ausgebeutet werden.

Was habe ich mit all diesen Menschen zu tun, denen es schlecht geht, jedenfalls nach meinen und den Maßstäben aus der „besseren“? Welt? Muss ich mich verantwortlich fühlen, muss ich die Verantwortung derjenigen einfordern, die Macht haben, die wirklich Einfluss haben auf die Situation der Armen und Schwachen?

Zu all dem gehört Moral und Menschenliebe. Wenn ich die Menschen nicht liebe, warum soll ich mich dafür einsetzen, welchen Sinn macht es dann, für das (Über-) leben der Menschheit überhaupt einzutreten? So steht die Nächstenliebe in Form der Menschenliebe am Anfang:

So wie ich mich als Vertreter dieses Menschengeschlechts liebe, so billige ich dies allen Menschen als Vertreter dieser Spezies zu. So wie ich mich darüber freuen kann, Mensch zu sein, mit anderen und durch andre Menschen Dinge zu erleben, die das Leben lebenswert machen, so halte ich es für sinnvoll und machbar, dies allen Menschen auch in der Zukunft zu ermöglichen. Dies setzt eine solidarische Gesellschaft voraus, dies setzt aber auch voraus, dass es weltweit Regeln gibt, an die sich alle halten. Es darf keine Kriege mehr geben, keine gigantische und rücksichtslose Ausbeutung. Wir müssen das ökologische Funktionieren unseres Planeten besser verstehen und uns darauf einstellen. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich dies nicht von selbst ergibt, sondern dass hierfür weltweit Strukturen geschaffen werden müssen.

Verantwortliche Entscheidungen für das Gemeinwohl werden durch den Staat getroffen, jedenfalls sollte es so sein. Derzeit sind viele, für die Gesellschaft wichtige Entscheidungen privat motiviert und nicht am Allgemeinwohl ausgerichtet. Für die weltweiten Probleme hat der Staat noch keine Antwort, eben weil es diesen weltweiten Staat noch nicht gibt. Nur der Weltstaat als Abbildung der Verantwortung für das weltweite Allgemeinwohl wäre aber in der Lage, die für die Erhaltung der Menschheit notwendigen Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen.

GLOCALIS ist die Vision von diesem Weltstaat und mehr noch das Bild von einer Menschheit, die diesen Weltstaat trägt und die sich als vereinte Menschheit begreift und in diesem Weltsstaat organisiert. Gibt es diese große „Wir“, das sich z.Zt. auf Nationalgefühle zu beschränken scheint, dann ist damit eine wesentliche Voraussetzung für das friedliche Miteinander und die Vermeidung von Krieg geschaffen. Wir können unsre kreativen Kräfte der Schaffung und der gerechten Verteilung der Güter und wir können uns den schönen Dingen des Lebens widmen.

Eins schöne Utopie? Weit weg vom Leben? Ich behaupte: Nein, kaum etwas wäre neu zu erfinden. Den Staat gibt es schon. In Europa ist er bereits auf dem Weg zum Kontinentalstaat, selbst wenn viele Nationen Widerstand leisten, den gleichen Widerstand, der die UNO zum zahnlosen Papiertiger macht, unfähig Weltverantwortung zu übernehmen. Genau dahin muss aber der Weg gehen: Der Staat auf dem Weg zur Weltverantwortung.

GLOCALIS beschreibt, wie dieser Staat aufgebaut sein könnte, wie sich Vorhandenes harmonisch integrieren ließe, wie die Gedanken der Aufklärung, der Demokratie, der Gewaltenteilung, der Trennung von Staat und Religion grundlegend sein können für die im Staat vereinigte Menschheit, für die Fähigkeit der Menschheit, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.

Viele Menschen haben Angst vor Gewalt und Unterdrückung, viele haben nicht zuletzt deshalb auch Angst vor dem Staat, der mit seiner Staatsgewalt genau dieses tun kann, nämlich seine Gewalt zu missbrauchen, um das eigene Volk zu unterdrücken. So mögen historische Fakten diese Angst begründen und Skepsis bei dem Gedanken an den Weltstaat aufkommen lassen. Aber wir müssen ja keine Angst vor dem Staat haben. Und in den meisten westlichen Demokratien müssen wir sie deshalb nicht haben, weil die Gewaltenteilung erfunden wurde. Inzwischen sind wir so weit, dass wir eine vertikale und eine horizontale Gewaltenteilung unterscheiden. Dieses, in ein vernünftiges System gebracht, könnte uns den Staat bescheren, den wir eigentlich wollen: der Staat als das große organisierte „Wir“, der Staat, der uns hilft und schützt, gefasst in die Formel: 5 x 5.

Das soll heißen, der Staat teilt seine Macht auf, einmal in die 5 Ebenen: kommunal, regional, national, kontinental, global, und auf jeder Ebene noch einmal in 5 relativ selbständige staatliche Säulen: die Gesetzgebung (Legislative), die ausführende Gewalt (Executive), die Rechtsprechung (Judicative), die Medien (Mediative) und die Finanzmacht (Pecuniative).

In einem solchen ausgewogenen Gesamtstaatssystem, mit einer demokratischen Gesetzgebung und der Organisation „der verhinderten Übermacht“ auf irgendeiner Ebene, bei irgendeinem Staatsorgan, dieses System verspricht nicht nur die Kontrolle der möglichen „bösen“ Macht durch Balance, nicht zuletzt durch den funktionierenden Rechtsstaat; in diesem System wird es auch keine Motivation und Möglichkeit für kriegerische Aktivitäten geben.

Ich behaupte, die Organisation des Friedens, die Abschaffung von Unterdrückung im Großen ist möglich. Dazu bedarf es nicht einmal des „guten Menschen“. Es genügt die Einsicht und der demokratische Wille: Wir müssen es mehrheitlich wollen, und ich bin überzeugt, dass wir es mehrheitlich wollen, denn wer wird sich schon (offen) für Krieg und Unterdrückung aussprechen?

Was wir allerdings brauchen, sind gute „Staatsdiener“. In allen Staatsgewalten und auf allen Ebenen brauchen wir die Menschen, welche die Einstellung, Begabung, Ausbildung und den Willen haben, dem Allgemeinwohl, der Menschheit, der staatlichen Ebene zu dienen, für die sie berufen sind.

Letztlich kann es also nur darum gehen, eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie diese staatliche Organisation aussehen könnte, wie man diese Ausgewogenheit, das Vertrauen in die Balance herstellen kann. GLOCALIS ist der Versuch dieses zu beschreiben und zu begründen.

GLOCALIS hat aber nicht nur die „globale“ Perspektive, sondern befasst sich auch mit der „localen“ Basis. Diese ist das erste und kleinste, vielleicht aber auch das wichtigste „Wir“, das neue Freiheiten bekommt aber auch Verantwortung. Und wenn Selbstverwirklichung nicht nur die Freiheit sondern auch die Verantwortung dazu bedeutet, so gilt dies umso mehr für die „soziale Selbstverwirklichung“. Damit ist gemeint, dass wir auf der localen Basis das Recht haben müssen, uns so zu gestalten, dass wir die Gemeinschaft verwirklichen können, die wir wollen. Keine Religion und kein (National-)Staat hat das Recht uns dies vorzuschreiben. So können zahlreiche Wertegemeinschaften entstehen, die sich zwar an vorhandenen Religionen und Weltanschauungen orientieren können, aber nicht müssen.

Diese lokale Freiheit, die zugleich aber Verantwortung für die Bürger der Gemeinde (des Stadtteils) bedeutet, findet allerdings ihre Grenze in der Existenz und dem Anspruch des Gesamtstaates, seine Aufgaben gerade auch für diese vielen Gemeinschaften und ihre Menschen erfüllen zu können. Der Weltstaat, der also auch eine Gemeinschaft der Gemeinschaften ist, bedarf des Schutzes auch vor solche Gemeinschaften und Einzelpersonen, die übermächtig werden könnten, die das faire Nebeneinader und Miteinander der einzelnen Gemeinschaften nicht akzeptieren wollen.

Diese Ausgewogenheit in ihren Prinzipien zu organisieren, die Menschheit, die Gemeinschaften und nicht zuletzt jeden Einzelnen zu schützen und zu fördern, dies ist die vornehme Aufgabe einer Verfassung, die in diesem Fall nur eine Weltverfassung sein kann. Sie begründet den Weltrechtsstaat, in dem jeder Einzelne und jede Gemeinschaft durchsetzbare Rechte hat. Die Weltverfassung gibt den Rahmen für continentale, nationale, regionale und locale Verfassungen, die in einem stimmigen System für Balance sorgen, und dafür, dass die locale Basis sich sozial selbst verwirklichen kann.

Auf dieser Basis kann und sollte es das friedliche Miteinander in großer sozialer Vielfalt geben, alle Religionen, alle Weltanschauungen haben ihre Chance – in diesem friedlichen Rahmen.

Die Schaffung dieses Rahmens ist ein Projekt der Menschheit. Diesem Projekt gebe ich den Namen: GLOCALIS. Das Buch und diese Site ist diesem Projekt gewidmet.