Archiv für Januar 21, 2014

Kommentar zu Thesen

Wo_bitte_gehts_zur_wirtschaftsdemokratie

EuropaZeitgeistNov.2012

Lieber Herr Waldecker,
vielen Dank für Ihre Initiative!
Beachtenswert, aber sehr präzisierungsbedürftig!
Ich habe Ihre Thesen teilweise (soweit mir nicht selbstverständlich) kommentiert.
Ich wäre gern zur Zusammenarbeit mit Ihnen bereit, jedoch
unter der Voraussetzung systemtheoretischer Präzision.
Pauschales Postulieren durch bloße „Gutmenschen“ (die auch Sie
skeptisch sehen) hilft uns nicht weiter. Wenn Sie sich mit meinem
Entwurf beschäftigen, werden Sie – zumal als Jurist – verstehen,
warum ich darauf so insistiere. Doch leider gehen die meisten
Juristen nicht auf die rechtsphilosophischen Grundlagen zurück,
sondern verstricken sich in einen unheilvollen Pragmatismus.

Mein von Ihnen erwähntes Demokratiebuch steht vor einer Neuauflage.
Ich habe keine Exemplare mehr. Wohl von der Kurzfassung
„Demokratiemanifest für die schweigende Mehrheit“.
Ich schick es Ihnen erst einmal elektronisch zu,
dazu zwei neuere Aufsätze. Den Europa-Aufsatz baue
ich gerade zu einem Buch aus. Dieselbe Reflexions-
Systemtheorie würde analog für die Weltebene gelten.
Wir kommen – unter Voraussetzung eines großen Potentials
an gutem Willen, das überall vorhanden ist, aber blockiert wird –
nur durch denkerische Präzision weiter. An dieser krankt unsere
„Diskursgesellschaft“ am tiefsten: Man glaubt nicht mehr daran,
dass philosophisch fundiertes Denken die Welt gestalten kann,
wie ein Kant es noch mit Recht voraussetzte,
der ja das Weltförderationsdenken vorweg genommen hat.
Unsere offiziell belobigten Meisterdenker versagen.

Sie müssen selbst beurteilen, ob ich aus Ihrem Buch genügend
lernen kann. Ich fürchte, die Ungenauigkeiten und die mangelnde
Systemtheorie würden diese lehrreichen Elemente zu sehr überlagern.

Soviel auf die Schnelle,
mit herzlichen Grüßen!
Johannes Heinrichs

Prof. f. Philosophie u. Sozialökologie a. D.