Glocalier sein

GLOCALIER sein

Was ist ein GLOCALIER?

Nein, es ist (noch) nicht der Bürger eines Staates weder auf diesem noch auf einem anderen Stern!

Warum? Weil es diesen Staat noch nicht gibt. Und dennoch könnte es jetzt schon GLOCALIER geben, nein, es gibt sie, weil es jetzt schon Menschen gibt, die sich in erster/zweiter Linie als Weltbürger und in erster/zweiter Linie als Bürger des Ortes sehen, in dem sie leben.

Dies ist die vielleicht kürzeste Beschreibung für diejenigen Menschen, die von der Art ihres Zugehörigkeitsgefühls her als Glocalier bezeichnet werden können. Viele von Ihnen kennen und leben bereits den Slogan: Global denken – local handeln!

Doch  dieser Slogan umfasst noch nicht die gesamte Dimension dessen, was einen GLOCALIER ausmacht, denn es ist nicht nur damit getan, dass global gedacht wird, es muss auch global gehandelt werden. Und gleiches gilt für das Locale: Auch hier muss dem localen Handeln ein locales Denken vorangehen. Schließlich geht es auch um Verantwortung:

Ich bin Teil der Menschheit und teile mir mit allen Menschen diesen Erdball. Deshalb habe ich auch eine Mitverantwortung dafür.

Ich bin Mitbürger meiner localen Gemeinde (meines Stadtteils) und habe daher auch eine Mitverantwortung für die Gestaltung dieses Fleckchens Erde, das uns der (Welt-) Staat zur treuen Sorge überlassen hat, und über das er schützend seine Hand hält.

Dies macht deutlich, was einen Glocalier im weiteren Sinne ausmachen würde.

Im engeren Sinne möchte ich diejenigen als Glocalier und damit als geistige Schwestern und Brüder bezeichnen, die nicht nur diese Art von Zugehörigkeitsgefühl teilen, sondern auch Handlungsbedarf sehen. Wir sind noch ein wenig davon entfernt, in einer Welt zu leben, in der wir gleichberechtigt Weltbürger sein und unsere Verantwortung wahrnehmen können.

Diese Welt muss erst noch entsprechend organisiert werden und der Weltstaat wäre aus glocalischer Sicht die angemessene Organisationsform. GLOCALIER ist, wer sich für diesen Weltstaat einsetzen möchte. So ergibt sich etwa folgender Steckbrief:

Ein Glocalier

  • ist von der Menschenliebe geleitet
  • glaubt an die Zukunft der Menschheit
  • glaubt, dass es viele soziale Modelle gibt, in denen (die) Menschen glücklich leben können
  • glaubt, dass locale Gemeinschaften mit unterschiedlichen sozialen Modellen friedlich nebeneinander leben können, wenn sie in einem funktionierenden Weltstaat aufgehoben sind
  • setzt sich für diesen Weltstaat ein und wirkt an dessen Entstehen mit
  • sieht die Weltverfassung als unverzichtbaren Grundstein für den Weltstaat, als Vertrag der Menschheit mit sich selbst
  • hält eine Gliederung in mindestens fünf staatliche Ebenen für sinnvoll
  • ist von der befriedenden und stabilisierenden Wirkung der Gewaltenteilung überzeugt
  • glaubt, dass die Balance der Gewalten der Schlüssel zum Frieden ist
  • geht von einer solidarischen Menschheit aus, die sich den Erdball mit seinen Gütern fair teilt
  • lehnt Krieg und staatliche Unterdrückung ab
  • fordert Toleranz ein und sieht den Staat in der Pflicht, Toleranz zu gewährleisten
  • hält die Trennung von Staat, Religion und Weltanschauung für grundlegend
  • glaubt an einige wenige Menschenrechte, die für alle gut sind und deshalb überall und gegenüber jedermann gelten sollen
  • hält Gastrechte, die jedem global zustehen, für eine sinnvolle eigenständige Rechtskategorie
  • ist überzeugt, dass die Freizügigkeit, d.h. das Recht, überall auf der Welt Bürger werden zu können, grundlegende Voraussetzung für den gleichberechtigten Menschen in einer offenen, globalen  und freien Gesellschaft ist
  • sieht eine nachhaltige und lebenswerte Existenz des Menschen auf diesem Globus nur, wenn wir stärker die ökologischen Grundbedingungen erkennen und beachten
  • ist von dem Mehrwert einer funktionierenden örtlichen Gemeinschaft überzeugt
  • hält locales Engagement für eine unverzichtbare Voraussetzung, um diesen Mehrwert herzustellen
  • fordert daher mehr Polis, d.h. locale Autonomie, um alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft so zu regeln, wie es die jeweilige Gemeinschaft möchte
  • sieht sich dem Allgemeinwohl verpflichtet und erkennt, dass dies für die verschiedenen Ebenen (local, regional etc.) eigenständig zu definieren ist

Und nicht zuletzt: Der GLOCALIER möchte sich und andere nicht überfordern. Deshalb genügt es, wenn man auch nur einen guten Teil des Profils bejahen und umsetzen kann. Hauptsache, die Richtung stimmt und Du unterstützt die Bewegung in die richtige Richtung. Schon das wäre ein Fortschritt. Also nur Mut zum Bekenntnis:

Gemeinsam sind wir stark!

 

2 Kommentare

  1. Moni sagt:

    Libéré Carolus
    Als Geschenk ist Dein Buch bei mir angekommen une selten hat ein Geschenk eine solche Euphorie bei mir ausgelöst, wie ich sie beim Lesen der ersten Seiten (bin bis zur Seite 13 gekommen) empfunden habe. Ja! Ich möchte ein Glocalier sein. Bin ich vielleicht auch schon ein klein wenig, dank vieler lieben Menschen meines sozialen Umfeldes, wer weiß? Auf jeden Fall macht es Hoffnung, solche positiven Gedanken endlich mal in schriftlicher Form zu finden. Ich freue mich auf die weitere Lektüre und melde mich ab und an mal wieder.

  2. Egon Hauck sagt:

    Wie beginnen? Ich werde meinen Ansatz, der nicht so weltumgreifend ist, gerne die Vorarbeit machen lassen. dieses ökosoziale Projekt kann den Nährboden für ein allgemeines Solidaritätsgefühl fördern. Dass ich hierfür die existierenden „Comunia“, die Kommunen, mit einspannen will, die zu ihrem eigenen Vorteil gemeinschaften erschaffen, die selbstverwaltet Gemeinschaftsleben in teilweiser Selbstversorgung üben und Gemeinschaftsorganisation entstehen lassen. Nicht mehr als einzelne Leuchttürme irgendwo im Land, sondern als Nachbarschaften die in die umgebende Stadt- oder Landbevölkerung ausstrahlen und lebendes Beispiel für einen Neubeginn der Menschlichkeit sind. Diese Gemeinschaften können auf den Vorarbeiten der jetzt schon existierenden Ökodörfer und anderer Entwürfe aufbauen.
    Und schon ist der Same für viele Comunia gesäät.

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