Archiv für Mai 1, 2013

Glocalier sein

GLOCALIER sein

Was ist ein GLOCALIER?

Nein, es ist (noch) nicht der Bür­ger eines Staa­tes weder auf die­sem noch auf einem ande­ren Stern!

War­um? Weil es die­sen Staat noch nicht gibt. Und den­noch könn­te es jetzt schon GLOCALIER geben, nein, es gibt sie, weil es jetzt schon Men­schen gibt, die sich in erster/zweiter Linie als Welt­bür­ger und in erster/zweiter Linie als Bür­ger des Ortes sehen, in dem sie leben.

Dies ist die viel­leicht kür­zes­te Beschrei­bung für die­je­ni­gen Men­schen, die von der Art ihres Zuge­hö­rig­keits­ge­fühls her als Glo­ca­lier bezeich­net wer­den kön­nen. Vie­le von Ihnen ken­nen und leben bereits den Slo­gan: Glo­bal den­ken – local han­deln!

Doch  die­ser Slo­gan umfasst noch nicht die gesam­te Dimen­si­on des­sen, was einen GLOCALIER aus­macht, denn es ist nicht nur damit getan, dass glo­bal gedacht wird, es muss auch glo­bal gehan­delt wer­den. Und glei­ches gilt für das Loca­le: Auch hier muss dem loca­len Han­deln ein loca­les Den­ken vor­an­ge­hen. Schließ­lich geht es auch um Ver­ant­wor­tung:

Ich bin Teil der Mensch­heit und tei­le mir mit allen Men­schen die­sen Erd­ball. Des­halb habe ich auch eine Mit­ver­ant­wor­tung dafür.

Ich bin Mit­bür­ger mei­ner loca­len Gemein­de (mei­nes Stadt­teils) und habe daher auch eine Mit­ver­ant­wor­tung für die Gestal­tung die­ses Fleck­chens Erde, das uns der (Welt-) Staat zur treu­en Sor­ge über­las­sen hat, und über das er schüt­zend sei­ne Hand hält.

Dies macht deut­lich, was einen Glo­ca­lier im wei­te­ren Sin­ne aus­ma­chen wür­de.

Im enge­ren Sin­ne möch­te ich die­je­ni­gen als Glo­ca­lier und damit als geis­ti­ge Schwes­tern und Brü­der bezeich­nen, die nicht nur die­se Art von Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl tei­len, son­dern auch Hand­lungs­be­darf sehen. Wir sind noch ein wenig davon ent­fernt, in einer Welt zu leben, in der wir gleich­be­rech­tigt Welt­bür­ger sein und unse­re Ver­ant­wor­tung wahr­neh­men kön­nen.

Die­se Welt muss erst noch ent­spre­chend orga­ni­siert wer­den und der Welt­staat wäre aus glo­ca­li­scher Sicht die ange­mes­se­ne Orga­ni­sa­ti­ons­form. GLOCALIER ist, wer sich für die­sen Welt­staat ein­set­zen möch­te. So ergibt sich etwa fol­gen­der Steck­brief:

Ein Glo­ca­lier

  • ist von der Men­schen­lie­be gelei­tet
  • glaubt an die Zukunft der Mensch­heit
  • glaubt, dass es vie­le sozia­le Model­le gibt, in denen (die) Men­schen glück­lich leben kön­nen
  • glaubt, dass loca­le Gemein­schaf­ten mit unter­schied­li­chen sozia­len Model­len fried­lich neben­ein­an­der leben kön­nen, wenn sie in einem funk­tio­nie­ren­den Welt­staat auf­ge­ho­ben sind
  • setzt sich für die­sen Welt­staat ein und wirkt an des­sen Ent­ste­hen mit
  • sieht die Welt­ver­fas­sung als unver­zicht­ba­ren Grund­stein für den Welt­staat, als Ver­trag der Mensch­heit mit sich selbst
  • hält eine Glie­de­rung in min­des­tens fünf staat­li­che Ebe­nen für sinn­voll
  • ist von der befrie­den­den und sta­bi­li­sie­ren­den Wir­kung der Gewal­ten­tei­lung über­zeugt
  • glaubt, dass die Balan­ce der Gewal­ten der Schlüs­sel zum Frie­den ist
  • geht von einer soli­da­ri­schen Mensch­heit aus, die sich den Erd­ball mit sei­nen Gütern fair teilt
  • lehnt Krieg und staat­li­che Unter­drü­ckung ab
  • for­dert Tole­ranz ein und sieht den Staat in der Pflicht, Tole­ranz zu gewähr­leis­ten
  • hält die Tren­nung von Staat, Reli­gi­on und Welt­an­schau­ung für grund­le­gend
  • glaubt an eini­ge weni­ge Men­schen­rech­te, die für alle gut sind und des­halb über­all und gegen­über jeder­mann gel­ten sol­len
  • hält Gast­rech­te, die jedem glo­bal zuste­hen, für eine sinn­vol­le eigen­stän­di­ge Rechts­ka­te­go­rie
  • ist über­zeugt, dass die Frei­zü­gig­keit, d.h. das Recht, über­all auf der Welt Bür­ger wer­den zu kön­nen, grund­le­gen­de Vor­aus­set­zung für den gleich­be­rech­tig­ten Men­schen in einer offe­nen, glo­ba­len  und frei­en Gesell­schaft ist
  • sieht eine nach­hal­ti­ge und lebens­wer­te Exis­tenz des Men­schen auf die­sem Glo­bus nur, wenn wir stär­ker die öko­lo­gi­schen Grund­be­din­gun­gen erken­nen und beach­ten
  • ist von dem Mehr­wert einer funk­tio­nie­ren­den ört­li­chen Gemein­schaft über­zeugt
  • hält loca­les Enga­ge­ment für eine unver­zicht­ba­re Vor­aus­set­zung, um die­sen Mehr­wert her­zu­stel­len
  • for­dert daher mehr Polis, d.h. loca­le Auto­no­mie, um alle Ange­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Gemein­schaft so zu regeln, wie es die jewei­li­ge Gemein­schaft möch­te
  • sieht sich dem All­ge­mein­wohl ver­pflich­tet und erkennt, dass dies für die ver­schie­de­nen Ebe­nen (local, regio­nal etc.) eigen­stän­dig zu defi­nie­ren ist

Und nicht zuletzt: Der GLOCALIER möch­te sich und ande­re nicht über­for­dern. Des­halb genügt es, wenn man auch nur einen guten Teil des Pro­fils beja­hen und umset­zen kann. Haupt­sa­che, die Rich­tung stimmt und Du unter­stützt die Bewe­gung in die rich­ti­ge Rich­tung. Schon das wäre ein Fort­schritt. Also nur Mut zum Bekennt­nis:

Gemein­sam sind wir stark!