1. Gut und Böse

Wer die Welt verändern möchte, muss eine Vorstellung davon haben, in welche Richtung es gehen soll. Selbstverständlich soll es in die bessere Richtung gehen. Ob es wirklich eine bessere ist, setzt einen Beurteilungsmaßstab voraus. Wie ist die moralische Qualität der gegenwärtigen und der anzustrebenden Welt? Das ist die Frage nach den Werten, wir müssen uns klar darüber werden,  was wir mit „gut und böse“ verbinden. Dazu einige Thesen, die GLOCALIS zugrunde liegen:

  1. Den Nächsten wie sich selbst zu lieben, ist eine kluge menschen- und menschheitsfreundliche Haltung. Sich als Teil der Menschheit zu begreifen und sie so zu lieben, wie man sich selbst liebt, ist eine gute Voraussetzung für die Selbsterhaltung der Menschheit.
  2. Nächstenliebe ist gut. Den Nächsten so zu lieben, wie sich selbst, heißt sich selbst so anzunehmen, wie man ist, und den anderen, so wie er ist. Was für den einen gut ist, muss für den anderen nicht gut sein. Und was für diesen böse ist muss es nicht für mich sein. Das Gute und das Böse ist relativ.
  3. Man sollte es im Verhältnis zum jeweils anderen suchen und erkennen. Man sollte herausfinden, was für die Gemeinschaft gut ist und sich darauf verständigen.

2 Kommentare

  1. bruno sagt:

    Es galt lange und gilt auch immer noch: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.
    Wie Carolus geht eine Gesellschaft mit solchen verankerten Glaubenssätzen um? Da fehlt doch noch ein Zwischenschritt, oder? Wenn „wir“ nicht lernen, uns zu erkennen – was bedeutet eigene Gefühle und Bedürfnisse benennen und von eingeschlagenen Strategien unterscheiden zu Können- werden wir eine Gesellschaft kreieren, in der Glauben(Sätze) Identität stiftet.
    Dabei ist nicht der Glauben „schlimm“, sondern dass ich nicht bemerke, dass ich Identität suche. Ich erkenne meine Bedürfnisse nicht und kann Strategien davon nicht unterscheiden. Ich will sagen: Bei der Frage wie wir uns neu sortieren, kann ein veränderliches Moment bewusst eingebaut werden. Denn wir wollen ja nichts Starres installieren, das später wieder zerstört werden muss, weil es den Wandel und die Weiterentwicklung nicht mit einbezogen hat. Es wird kein Paradies geben und keine gerechte Welt ohne Mord und Totschlag. Es wird immer Menschen geben, die im Moment dem Leben nicht dienen können. Wir könnten lernen mit diesen Menschen anders umzugehen und Ihnen helfen, mit sich und dem Leben anders umzugehen. Ich glaube nicht, dass das in den heutigen Gefängnissen passiert. In der Schule auch nicht. Im Berufsleben auch nicht. Ein gutes Beispiel dafür wie man das „macht“ ist die „gewaltfreie Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg, finde ich.
    Um es zu verdeutlichen: Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort begegnen wir uns.(Rumi)
    Gut und Böse sind deshalb für mich nicht relativ, wie Du schreibst. Wir können die Welt durch diesen Filter betrachten und Menschen anhand eines Maßstabes beurteilen. Man kann das tun, es ist nicht falsch. Jenseits davon heißt nicht relativ. Wir können diese Kategorie (gut oder böse) hinter uns lassen. Dann begegnen wir uns. Weil sich begegnen heißt, sich gegenseitig zu erkennen geben und sich miteinander eine gemeinsame Realität zu erschaffen.
    Kurzgedanke: Ich will nicht zu einer Mehrheit gehören, die über eine Minderheit entscheidet. (Demokratie) Ich will zu einer Gemeinschaft gehören, die sich gegenseitig zu erkennen sucht und so entwickelt, dass miteinander entschieden wird.

  2. Deine Gedanken finde ich gut und sie stimmen im Kern mit einigen meiner Gedanken an anderer Stelle (z.B. Kap.: „Mensch – Gemeinschaft – Menschheit“ und „Wirtschaft und Arbeit“) überein.
    Selbstfindung ist wichtig, aber auch seine Rolle in der Gemeinschaft zu finden und an der Gemeinschaft mitzuwirken. Im Idealfall sollte man sich bewusst mit der Gemeinschaft identifizieren können, weil man die wichtigsten Gemeinschaftswerte teilt. Aber die wollen gefunden und vereinbart und eben nicht vorgegeben sein. Es wäre schön, wenn wir von der „Sollensgemeinschaft“ zur „Wollensgemeinschaft“ kämen. Das ist der Weg von GLOCALIS.
    Die Begriffe: Gut und Böse sind letztlich nicht entscheidend, eher eine klassische Orientierung. Und das relative bedeutet eben nur, dass Vieles von Gemeinschaft zu Gemeinschaft anders und für die jeweilige Gemeinschaft gut sein kann. Allerdings wird man sich auch auf etwas verständigen müssen, was für alle Menschen gut ist (Menschenrechte, Schutz der Gemeinschaften etc.). Ob das im absoluten Konsens möglich ist, halte ich für fraglich und ich meine, dass wir darauf nicht warten sollten, denn es kostet jetzt bereits viele Menschenleben (Syrien etc.) und verhindert wichtige Entscheidungen für die Menschheit (Klimawandel).
    Zu den Glaubenssätzen, z.B. dem von „Arbeit und Essen“, gilt wahrscheinlich generell, dass sie zu hinterfragen sind. Und schon die Bibel sagt: „Bist Du neidisch, weil ich gut bin?“ und löst sich damit von dem strengen Leistungsprinzip. Solidarität und Nächstenliebe sind gefragt. Derjenige, der die Nächstenliebe verstanden und akzeptiert hat, wird den o.g. Glaubenssatz so nicht aussprechen. GLOCALIS liegt ein anderer, nämlich solidarischer Ansatz zugrunde, der von der Nächstenliebe ausgeht.

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